Zwischen Nostalgie, KI-Flop und großen Gefühlen: Weihnachtswerbung 2025 im Check

Zwischen Nostalgie, KI-Flop und großen Gefühlen: Weihnachtswerbung 2025 im Check

So werben Coca-Cola, Edeka & Co. dieses Jahr

Noch bevor die erste Kerze angezündet und der erste Spekulatius verspeist ist, brennen die Marketingabteilungen bereits lichterloh. Das kann nur eins bedeuten: Wir dürfen uns auf das jährliche Gefühlsgewitter der Weihnachtswerbung freuen! Und 2025 fühlt sich schon jetzt an wie ein seltsamer Mix aus Nostalgie, KI-Experimenten und großem Gefühlskino. Hier zeichnet sich in diesem Jahr eine spannende Dynamik ab: Zwischen bodenständigen Alltagsmomenten, pathosgeladenen Lichtmetaphern und missglückten Nostalgie-Updates versucht die Weihnachtswerbung 2025, sich neu zu erfinden.

Coca-Cola kämpft mit einer KI-Neuauflage gegen die eigene Legende, Lidl geht den mutigen Weg der unspektakulären Bodenhaftung und die Erste Group bleibt ihrem epischen Gefühlsuniversum treu. Außerdem: Viel hilft (anscheinend) viel: Noch mehr große Gesten, stille Momente und Versuche, uns zwischen Lebkuchen und Last-Minute-Einkauf emotional zu erwischen. Hier also unser Blick ins winterliche Werbekino 2025: neugierig, kritisch und mit einer extragroßen Packung Taschentüchern und Popcorn bewaffnet.

COCA-COLA – „HOLIDAYS ARE COMING“

Ist das noch Weihnachtswerbung – oder schon Rage Bait? Das muss man sich beim diesjährigen Coca-Cola Weihnachtswerbung unweigerlich fragen. Der Getränke-Gigant hat seinen ikonischen Weihnachtsklassiker dieses Jahr mit KI neu aufgelegt – und landet damit einen der spektakulärsten Fehlstarts der Saison. Was (wahrscheinlich) als nostalgischer Gänsehautmoment gedacht war, wirkt 2025 eher wie der unbeholfene Versuch, ein Erbe zu modernisieren, das eigentlich niemand modernisiert haben wollte. Statt festlicher Magie gibt’s seltsame KI-Artefakte, merkwürdig wabernde Trucks und Figuren, die aussehen, als wären sie aus einem Social-Media-Deepfake gerutscht.


Das Netz reagiert entsprechend gnadenlos. Unter dem offiziellen YouTube-Upload steht ein Zahlenverhältnis, das das ganze Dilemma zusammenfasst: 9.877 Likes gegenüber 157.186 Dislikes (Stand 3. Dezember) – ein digitales Donnerwetter, das man so selten bei Weihnachtsspots sieht. Die Top-Kommentare sprechen eine noch deutlichere Sprache (und sind unfreiwillig das Beste am ganzen Clip):

„I’ve never wanted a Pepsi so badly in my entire life.“

„This feels like a Facebook mum post.“

„All these decades trying to cure my coke addiction. This did it in 60 seconds.“

Coca-Cola wollte offensichtlich Mut beweisen und der Nostalgie ein zeitgemäßes Update verpassen. Doch am Ende wirkt der Spot wie ein Fremdkörper aus dem uncanny valley der KI-Ästhetik. Die Magie bleibt auf der Strecke, und statt „Holidays are coming“ denkt man hier eher: Wenn so die Holidays aussehen, na dann Merry Christmas.

INTERMARCHÉ – „Conte de Noel“

Während viele Weihnachtskampagnen 2025 laut um Aufmerksamkeit kämpfen, macht Intermarché genau das Gegenteil – und geht damit gerade viral. „Conte de Noël“ verbreitet sich aktuell rasant im Netz, weil der Spot etwas schafft, das selten geworden ist: Er erzählt eine einfache, warme Geschichte, ohne sie zu erklären, zu überhöhen oder mit Effekten zu überladen. Statt großer Gesten setzt der Film auf Nähe, Beobachtung und einen Rhythmus, der sich Zeit nimmt. Genau das bleibt hängen.

Auch visuell wählt der Spot bewusst den leisen Weg. Die fein illustrierte, fast märchenhafte Animation wirkt handgemacht und reduziert, mit sanften Bewegungen und viel Raum für Details. Nichts drängt sich in den Vordergrund, nichts will beeindrucken – die Animation unterstützt die Geschichte, statt sie zu dominieren. Vielleicht ist es genau diese stille Konsequenz, die den Film gerade so teilenswert macht. In einer Saison voller KI-Experimente und maximaler Emotionalisierung wirkt „Conte de Noël“ fast radikal unaufgeregt. Für uns ist der Spot schon jetzt der liebste Weihnachtsfilm dieses Jahres: zurückhaltend, berührend – und genau deshalb so stark.

APPLE – „A Critter Carol“

Apple schlägt 2025 leisere, aber deutlich verspieltere Töne an. „A Critter Carol“ erzählt seine Weihnachtsgeschichte aus tierischer Perspektive – und trifft dabei einen überraschend charmanten Sweet Spot zwischen Witz, Absurdität und Wärme.

Der visuelle Stil erinnert (wahrscheinlich sehr bewusst) an die Muppets: leicht überzeichnet, haptisch, mit kleinen Unperfektionen, die den Figuren Persönlichkeit verleihen. Genau diese Anmutung macht den Film so zugänglich. Die Animation lebt weniger von Spektakel als von Gesten, Blicken und Timing – trocken komisch und leise herzerwärmend zugleich.

Unterm Strich ist „A Critter Carol“ kein lauter Weihnachtsfilm, sondern ein sehr gut ausbalancierter. Verspielt, sympathisch und emotional, ohne kitschig zu werden – und damit eines der charmantesten Stücke Weihnachtswerbung dieses Jahres.

EDEKA – „Das EDEK-A-Team: Weihnachten für euch nah“

EDEKA setzt dieses Jahr erneut auf Humor, aber statt leiser Ironie gibt’s 2025 eine volle Ladung Selbstreferenzialität mit dem neuen „EDEK-A-Team“. Angelehnt an das 80er-Kultensemble stapfen die selbsternannten Lebensmittel-Helden durch die Filiale und lösen typische Weihnachtsprobleme auf ihre ganz eigene Weise. Alles ist bewusst überzeichnet, laut, ein bisschen chaotisch — und genau das macht den Spot unterhaltsam.


Aber: So charmant der Over-the-top-Ansatz ist, die Kampagne wirkt gleichzeitig wie eine Fortsetzung von EDEKAs Versuch, unbedingt „viral“ sein zu wollen. Während frühere Weihnachtswerbung des Hauses oft tief emotional war (man denke an „Heimkommen“), geht es 2025 um pure Comedy. Und das klappt auch, aber trotzdem bleibt das leise Gefühl, als hätte man die Figuren nur der Pointe wegen hineingeschoben. Trotzdem: Der selbstironische Blockbuster-Ansatz hebt die Marke angenehm vom üblichen Festtagskitsch ab. Und ganz ehrlich: Ein bisschen Weihnachtswahnsinn passt zu keiner Marke so gut wie zu einer, in der sich am 23. Dezember traditionell der halbe Planet ungewollt zum Einkaufen trifft.

LIDL –  „Wundervolles lohnt sich jeden Tag“

Lidl verfolgt mit seiner Weihnachtswerbung 2025 den mutigsten, aber auch riskantesten Ansatz der großen Discounter: bewusst unspektakulär. Kein großes Märchen, keine Tränen-Garantie, kein künstlich aufgepumpter Weihnachtspathos. Stattdessen zeigt der Spot kleine Alltagsmomente, Begegnungen und Gesten. So unscheinbar, dass sie fast unter dem Radar fliegen könnten.


Der Film möchte nicht das „große Gefühl“ liefern, sondern das Gefühl, dass man auch ohne Zuckerguss eine schöne Weihnachtszeit haben kann. Das ist sympathisch, aber im direkten Vergleich zu den cineastischen Hochglanzproduktionen der Konkurrenz wirkt die Kampagne stellenweise blass. Die Botschaft „Wundervolles lohnt sich jeden Tag“ sitzt, keine Frage, aber der Spot selbst liefert eher „Alltag“ als „Wunder“.

Trotzdem zeigt Lidl, dass Weihnachtswerbung nicht immer über drei Minuten Drama funktionieren muss. Ob dieser Ansatz hängen bleibt? Fraglich. Aber zwischen all den künstlichen Schneestürmen und emotional aufgeladenen Überinszenierungen tut ein bisschen Bodenhaftung auch mal ganz gut.

ERSTE GROUP – „Carry the Light“

Die Erste Group bleibt sich treu: große Themen, große Bilder, große Gefühle. Nach Jahren emotionaler Storys (vom kleinen Igel bis zur Entstehung von „Stille Nacht“) setzt die Bank auch 2025 auf ein Motiv, das zwischen Hoffnung und Pathos schwingt. „Carry the Light“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, das buchstäblich und metaphorisch ein Licht weiterträgt, durch winterliche Landschaften, schwierige Momente, Perspektivwechsel.


Die Ästhetik ist erneut hochwertig, die Bildsprache cineastisch, und man spürt sofort, dass hier mehr Anspruch als „nur Werbung“ dahintersteckt. Gleichzeitig bewegt sich die Erste damit auf einem schmalen Grat: Die Botschaft ist schön, aber so symbolisch aufgeladen, dass sie schnell in Richtung Kitsch kippen könnte. Wer die früheren Erste-Spots mochte, wird auch diesen mögen; wer sie immer etwas zu schwer fand, wird den typischen „Große Gefühle, große Musik“-Stil weiterhin kritisch sehen.

Emotionsfeuerwerk hin oder her: Unterm Strich bleibt es aber einer der ambitioniertesten Weihnachtsfilme des Jahres. Keine Marke liefert so konsequent „Weihnachtskino“ wie die Erste Group -und das verdient Anerkennung, selbst wenn man nicht jeden Metaphern-Berg mitbesteigen möchte.

Weihnachten vergeht. Gute Stories bleiben.

…und wie jedes Jahr zeigt die Weihnachtswerbung eindrucksvoll, was starke Geschichten leisten können. Aber genauso deutlich, was passiert, wenn sie ins Leere laufen. Denn jenseits von Glitzer und Festtagskitsch beginnt die Zeit, in der Brands mit klarem Storytelling echten Impact schaffen müssen.

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